Conversion Magazin

Tina Nord ist seit acht Jahren als Kommunikationswirtin und Marketing-Strategin in Berlin tätig.

Tina Nord auf der Conversion Roadshow 2019

Seit Ende 2016 erforscht die Autorin und Sprecherin den Einfluss maschinellen Lernens auf Content und den E-Commerce. Auf ihrem Blog www.lernen-wie-maschinen.de berichtet sie von ihren Erfahrungen und erklärt grundlegende Begriffe rund um künstliche Intelligenz. Tina arbeitet aktuell als Marketing Director für das Tech Unternehmen ultimate.ai.

Redaktion: Welche Trends haben deiner Meinung nach den E-Commerce im Jahr 2020 geprägt und werden 2021 entscheidend sein?

Tina Nord: Wichtige Trends waren und sind nach wie vor die Personalisierung von Online-Shops und dialogorientierte Technologien. Beides basiert auf maschinellem Lernen. Vor Allem virtuelle Agenten sind eine Technologie, die auch im Jahr 2021 die Erwartungshaltung von Kunden beeinflussen wird. Nutzer möchten schneller relevante Informationen und Produkte finden. Jedes E-Commerce Unternehmen sollte sich daher mit intelligenten, personalisierten Content und Marketing Strategien auseinandersetzen. Außerdem spielen authentische, primär visuelle Inhalte und Distributed Commerce eine große Rolle.

Redaktion: Du warst für die Content Marketing Strategie von Zalando verantwortlich; wie kann Content Marketing deiner Meinung nach den Umsatz in einem Online-Shop steigern?

Tina Nord: Content Marketing wird von Experten unterschiedlich interpretiert. Ich verstehe darunter die Kombination aus verschiedenen Disziplinen wie SEO, PR, Redaktion und Design, um relevante Inhalte für den Kunden auffindbar und navigierbar zu machen. Letztendlich geht es darum, gezielt Traffic auf eine Webseite zu lenken, um Nutzer zu informieren oder einen Kauf zu ermöglichen. Umsatzsteigernd wirken sich in der Regel holistische Content-Cluster aus, die alle Aspekte oder Fragen rund um ein Thema beleuchten. So kann der Kunde eine (selbst)bewusste Kaufentscheidung treffen und die Conversion-Rate geht nach oben. Außerdem lohnt es sich, frühzeitig Trends zu erkennen die das Kundenverhalten beeinflussen. Aktuell sind das vor allem innovative Technologien wie etwa Sprachassistenten.

Redaktion: Wie kann sich ein kleinerer E-Commerce Ihrer Meinung nach von großen Marken mit großen Budgets unterscheiden?

Tina Nord: Eine mögliche Strategie ist es, eine Nische zu definieren. Das kann das Produkt selbst, eine innovative Technologie oder auch der besonders verlässliche und auf allen Kanälen verfügbare Kundenservice sein. Außerdem ist es wichtig, in den Suchergebnissen präsent zu sein, z.B. mit hilfreichen Videocontent. Eine kreative Idee oder gezielte Content-Kooperation kann schnell zu erhöhter Aufmerksamkeit führen. Wichtig ist natürlich, dass man seine Kunden und die Zielgruppe und deren Bedürfnisse oder Interessen gut kennt. Wer für seine Geschäftsidee brennt und andere mit dieser Leidenschaft anstecken kann, hat schon fast gewonnen.

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Redaktion: Die Künstliche Intelligenz verändert viele Bereiche: Welche Veränderungen wird sie dem digitalen Marketing bringen?

Tina Nord: Aktuell beeinflusst maschinelles Lernen (ML) zum Beispiel strategische Marketing-Kalkulationen, etwa beim automatisierten Lead Scoring oder der Aussteuerung von Anzeigen im Web. Im Content-Marketing spielen die automatisierte Textproduktion oder maschinelle Übersetzungen eine Rolle. Kunden begegnen ML in den personalisierten Suchergebnissen von Google oder bei der Interaktion mit Alexa Skills oder Google Actions. Die Technologie ist jedoch noch nicht fehlerfrei und erfordert nach wie vor menschliche Unterstützung. Chatbots sind beispielsweise nur selten in der Lage, intelligente Konversationen perfekt abzubilden. Die nächste Generation wird als “Intelligenter Virtueller Assistent (IVA)” bezeichnet und verspricht viel. Der wichtigste Unterschied ist, dass IVAs mit fortgeschrittenen Deep Learning Modellen arbeiten und Sprache sowie Kontext viel besser verstehen. Das erlaubt menschenähnliche Dialoge. Sie sind außerdem mit der Kundendatenbanken verbunden und können so Chat-Konversationen personalisieren. Wir sind nun an einem Punkt, an dem Chatbots durch IVAs ersetzt werden und die Kundenkommunikation revolutionieren. 

Die Automatisierung durch ML wird das digitale Marketing nachhaltig verändern. Auf Nutzerseite wird sich die neue Bequemlichkeit, die ML ermöglicht, schnell durchsetzen. Wir können bereits jetzt beobachten, dass sich das Suchverhalten von Nutzern verändert. Neue Suchbegriffe wie “in meiner Nähe” oder “für mich” legen nahe, dass erwartet wird, dass Suchmaschinen individuelle Bedürfnisse verstehen und interpretieren können. Diese Erwartungshaltung wird sich bald auf E-Commerce Shops ausweiten.

Redaktion: Nun bist Du seit über einem Jahr bei ultimate.ai als Director of Marketing tätig, wie unterscheidet sich dieses Unternehmen von anderen und welche Rolle spielst Du dabei?

Tina Nord: ultimate.ai verbessert das Kundenerlebnis durch Automatisierung. Die Gründer haben ihr eigenes Deep Learning Modell entwickelt und nutzen es, um textbasierte Kundenkommunikation und verwandte Prozesse zu automatisieren. Das Produkt hat eine extrem hohe Qualität und aktuell eine Churn-Rate von 0 Prozent. Als KI-Enthusiastin hat mich das sofort fasziniert und es war schnell klar, dass ich hier viel über die Technologie lernen kann. Die Herausforderung liegt darin, diesen Unterschied in der KI-Qualität verständlich zu machen. Meine Marketing-Expertise trägt daher vor allem dazu bei, die außergewöhnliche Leistungsfähigkeit von ultimate.ai’s IVA zu erklären und zu kommunizieren.

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