Ein sanfter Anstoß, der das Verhalten in eine Richtung lenkt, ohne Optionen einzuschränken. Direkt aus der Verhaltensökonomie in die Conversion-Optimierung übertragen — und eines der wirkungsvollsten Werkzeuge, wenn es ethisch eingesetzt wird.
Der Begriff Nudge wurde durch die Nobelpreisträger Richard Thaler und Cass Sunstein geprägt. Ihre Grundidee: Menschen treffen Entscheidungen selten rein rational. Die Umgebung — die „Entscheidungsarchitektur" — beeinflusst das Ergebnis massiv. Ein Nudge ist eine bewusste Gestaltung dieser Umgebung, die bessere Entscheidungen wahrscheinlicher macht, ohne dem Menschen eine Wahl zu nehmen.
Klassisches Beispiel: In einer Kantine stehen die gesunden Speisen auf Augenhöhe, die Desserts etwas weiter unten. Niemand wird gezwungen, niemand verliert eine Option — aber die Verteilung der Entscheidungen verschiebt sich messbar. Genau das ist ein Nudge.
Im digitalen Raum finden sich Nudges überall: Eine vorausgewählte Standardoption, ein sanfter Hinweis auf die häufigste Wahl anderer Nutzer, ein Vergleichs-Label wie „beliebt" oder „am besten geeignet", eine optisch hervorgehobene Empfehlung. Auch Framing ist eine Form des Nudgings — genauso wie der Trigger am richtigen Ort im Funnel.
Die ethische Grenze ist dabei klar: Ein Nudge ist legitim, wenn er im Interesse des Nutzers handelt oder mindestens neutral wirkt. Sobald er darauf abzielt, Menschen gegen ihren eigenen Vorteil zu einer Entscheidung zu drängen, wird er zum „Dark Pattern" — und langfristig zum Vertrauenskiller. Gute CRO-Arbeit ist immer auch eine Frage der Haltung.