Der Anteil der Besucher, die eine Seite verlassen, ohne weiter mit ihr zu interagieren. Klingt einfach, ist es auch — aber kaum eine Kennzahl wird so oft fehlinterpretiert und als Qualitätsmaß missbraucht.
Die Bounce Rate („Absprungrate") gibt an, wie viele Besucher eine Website betreten und wieder verlassen, ohne eine zweite Seite aufzurufen oder eine messbare Aktion auszuführen. In der klassischen Definition von Universal Analytics war ein „Bounce" jede Session, bei der nur ein einziger Seitenaufruf stattfand — unabhängig davon, wie lange der Besucher auf der Seite blieb oder ob er den Inhalt gelesen hat.
Das führte zu einem strukturellen Problem: Ein Nutzer, der eine Wikipedia-artige Seite vollständig liest, die Antwort findet und den Tab schließt, galt als „Bounce" — obwohl die Seite ihre Aufgabe perfekt erfüllt hat. Eine hohe Bounce Rate ist damit nicht automatisch schlecht, und eine niedrige nicht automatisch gut. Der Kontext der Seite entscheidet.
Mit GA4 hat Google das Konzept grundlegend überarbeitet. Die „Bounce Rate" gibt es dort nur noch als Gegenteil der Engagement Rate: Eine Session gilt als „engaged", wenn sie mindestens 10 Sekunden dauert, mindestens zwei Seitenaufrufe enthält oder eine Conversion auslöst. Alles andere gilt als Bounce. Das ist deutlich sinnvoller, weil es Zeit und Intention mit einbezieht — der „gelesen und verlassen"-Fall wird jetzt als Engagement gezählt.
Die Bounce Rate ist ein diagnostisches Signal — nicht mehr. Sie sagt, dass etwas passiert ist; warum es passiert ist, sagt sie nicht. Wer CRO ernst nimmt, nutzt sie als Einstieg in die eigentliche Frage, nie als abschließende Antwort.