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Exit Intent.

Die letzte Chance, einen gleich absprung­bereiten Besucher zurückzuholen — und genau darum einer der wirksamsten, aber auch umstrittensten Mechanismen im Conversion-Design.

Exit Intent bezeichnet die technische Erkennung des Moments, in dem ein Nutzer im Begriff ist, eine Seite zu verlassen. Auf dem Desktop wird die Mausbewegung ausgewertet: Bewegt sich der Cursor mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Browser-Tab oder Adressleiste, registriert das Tracking einen Abbruch­wunsch. Auf mobilen Geräten funktioniert das Verfahren anders — hier werden Signale wie Scroll-Geschwindigkeit, längere Inaktivität oder der Wechsel in ein anderes Tab als Proxy genutzt.

Wird ein solches Signal erkannt, blendet die Seite ein Overlay ein: ein letzter Impuls, der den Nutzer zu einer Aktion bewegen soll, bevor er endgültig geht. Typische Inhalte sind ein Rabattcode, ein kostenloser Download (Lead Magnet), eine erinnernde Produkt­empfehlung oder eine letzte Frage zum Grund des Abbruchs.

Warum Exit Intent funktioniert

Psychologisch bedient Exit Intent mehrere Mechanismen gleichzeitig. Er nutzt Loss Aversion — der Nutzer steht unmittelbar vor einem wahrgenommenen Verlust und wird empfänglich für Angebote, die diesen Verlust kompensieren. Er trifft den Moment der maximalen Aufmerksamkeit, weil der Besucher gerade aktiv auswählt, statt passiv zu konsumieren. Und er kostet den Betreiber praktisch nichts, weil er nur dort ausgelöst wird, wo der Besucher ohnehin verloren wäre.

Die Effektivitäts­zahlen, die Anbieter kommunizieren, schwanken zwischen 3 % und 15 % Recovery-Rate. Realistisch sind in den meisten Fällen 2–5 % — was bei einer ansonsten verlorenen Audience immer noch ein Gewinn ist.

Wo Exit Intent scheitert

  • Falscher Moment: Ein Exit-Intent-Overlay, das schon nach drei Sekunden auslöst, wenn der Nutzer oben rechts nach dem nächsten Tab greift, wirkt aggressiv und zerstört Vertrauen.
  • Generisches Angebot: „10 % Rabatt auf deinen ersten Einkauf" wirkt nur, wenn der Besucher gerade an Kauf dachte. Für einen Blogleser ist das irrelevant.
  • Mobile-Implementation: Auf Smartphones gibt es keine Mausbewegung. Wer dort Exit Intent „nachbaut", löst das Overlay oft zum falschen Zeitpunkt aus.
  • Mehrfachauslösung: Ein zweites Overlay beim nächsten Besuch ist die beste Methode, einen genervten Nutzer dauerhaft zu verlieren. Ein sauberes Frequency Capping ist Pflicht.
  • Wichtiger Content wird verdeckt: Google bestraft Overlays, die Haupt­inhalte auf Mobil­geräten blockieren — SEO-technisch ein bekanntes Risiko.

Exit Intent ist kein Allheilmittel, sondern eine Rettungs­linie — sie gehört nicht an den Anfang der CRO-Arbeit, sondern an deren Rand. Wer vor der Exit-Intent-Logik ein schwaches Value Proposition-Fundament hat, optimiert am falschen Ende.